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Von Yvonne Tripodi, Stein

Sehr geehrte Damen und Herren des BKS, Sehr geehrter Herr Hürzeler

Ich nehme Bezug auf den Artikel zur Fernbeschulung und den diesbezüglichen Offenen Brief von Frau Capurso-Burkhardt im fricktal.info Nr. 13 vom 25. März

Zu meiner Person: Ich bin nun schon aus dem „Geschäft“, habe aber jahrelang im Schuldienst gearbeitet, in der Unter- und Mittelstufe.

Ich teile die Meinung von Frau Capurso-Burkhardt nur eingeschränkt.

Durch Zufall ist mir der ganz unten verlinkte Artikel in die Hände gefallen. Er ist zwar aus unserem Nachbarland Deutschland, aber ich denke, dass die darin geäusserten Gedanken Beachtung finden sollten.

Wir sind alle momentan mit großen Herausforderungen konfrontiert, die massive psychologische Auswirkungen haben. Im Hinterstübchen läuft sehr viel ab und Ängste sind allgegenwärtig. Nur wenige können damit zielführend umgehen. Das belastet Kinder am allermeisten, weil sie die äussere Fassade sehen, aber spüren, dass etwas nicht stimmen kann. Sich jetzt an den alten Strukturen festzuklammern, ist meiner Meinung nach eine nicht ausreichende Strategie. Es ist viel mehr Kreativität, Mut und Humor sowohl als auch Besinnung auf das wirklich Wesentliche, als das sture Festhalten an Lerninhalten gefragt. In anderen Ländern haben Kinder bis zu drei Monaten Sommerferien und lernen dann vom Leben. Und auch dort gehen gebildete Menschen daraus hervor.

Jeder Lehrer wess, wie aktiviert, gereift und motiviert die Kids aus den großen Ferien heimkommen, wie viel da läuft, ganz ohne unseren Einfluss. (Ja, wir geben es nicht gern zu, ich weiss auch das).

Auch die Lehrerseite ist überfordert. Jeder Kollege hat einen anderen Lehrstil, der von seiner Person abhängig ist und von der Beziehung zur Klasse geprägt wird. Dies ist ein fragiles Gefüge und wird viel zu sehr vernachlässigt in der Betrachtung. So etwas kann nicht auf den / über den / Bildschirm transferiert werden. Es braucht Zeit, das anzupassen und jede Lehrperson wird damit anders umgehen. Die nicht strukturierte ist evtl. der anderen in life um Längen voraus, oder eben einfach anders, wer weiß? Da gäbe es sehr viel zu bedenken. Darüber hinaus haben Lehrpersonen momentan auch ihren eigenen Corona-Alltag, Ängste und Stress zu bewältigen.

Wenn mehrere Kinder in einem Haushalt leben, werden die Lehrpersonen nun anders miteinander verglichen und bekommen viel (noch mehr als sonst schon) Unmut ab. (Unberechtigt, weil der im Hintergrund lauernde Stress auf das schwächste Glied unbewusst abgewälzt wird, sprich die Schuld am „Nicht Funktionieren“ wird ihm in die Schuhe geschoben). Das kann u. U. ernst zu nehmende Folgen haben für das Vertrauensverhältnis Kind-Lehrer, auf dem schlussendlich alles basiert. Kein Vertrauen kein Lernen. Und dann sitzt man auf dem doppelten Scherbenhaufen nach Corona.

Hier sollte man sehr umsichtig handeln und sich nicht von vordergründig schnellen Lösungen verführen lassen.

Ich verstehe meine Ausführung als Denkanstoß und nicht als Diskussionsgrundlage. Ich möchte weiterführen, mich zusammen- und nicht auseinandersetzen. Ich möchte niemandem an den Karren fahren, denn jeder gibt jetzt sicherlich nur das Allerbeste. Da ist es essenziell zuzuhören und von jedem Aspekt das beste zu einem neuen Ganzen wachsen zu lassen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

https://www.tz.de/muenchen/stadt/muenchen-ort29098/coronavirus-wahnsinn-kinder-schule-daheim-eltern-fernunterricht-muenchen-lehrer-homeschooling-tina-uthoff-13612861.html

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