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(pd) Das Kantonsspital Baden (KSB) akzeptiert das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht. Damit wird die rechtliche Beurteilung eines tragischen Vorfalles im Jahr 2014 abgeschlossen, der alle Beteiligten stark belastete. Dies schreibt das KSB in einer Mitteilung an die Medien. 

Das Urteil entschädigt die Angehörigen eines Notfall-Patienten, der kurz nach dem Besuch der Notfallpraxis einen Herzinfarkt erlitt und später verstarb, mit 100'000 Franken.
So gross das Bedauern über das tragische Ereignis, so weitreichend sind die Massnahmen, die das KSB in den letzten Jahren getroffen hat. Dadurch konnte die Zahl der Haftpflichtfälle kontinuierlich gesenkt werden. Die Schadenlast des KSB liegt heute 29 Prozent unter dem Branchenschnitt.

Prämisse
Im KSB arbeiten Spital- und Hausärzte in der 2007 eröffneten Notfallpraxis eng zusammen. Es handelt sich dabei um ein Kooperationsprojekt zwischen den Hausarztverbänden Baden und Brugg und der KSB AG. Mit diesem Kooperationsprojekt und der Zentralisierung der Notfallversorgung konnten die zuvor dezentrale und für die Bevölkerung unübersichtliche hausärztliche Notfallversorgung vereinfacht, die Dienstbelastung der Hausärzte relevant reduziert und die Notfallprozesse im KSB effizienter gestaltet werden.

Der Vorfall
Am Abend des 27. Februar 2014 begab sich ein 49-jähriger Mann mit Beschwerden und Druck hinter der Brust in den KSB-Notfall. Nach der üblichen Eintrittstriage wurde er von einer Hausärztin in der angrenzenden Notfallpraxis untersucht. Da diese nichts Verdächtiges feststellen konnte, wurde der Patient wieder entlassen. Er begab sich zu Fuss nach Hause, durchquerte Dättwil und erlitt schliesslich an der Täfern-Bushaltestelle einen Herzinfarkt. Zwar eilten rasch Rettungssanitäter herbei, doch die Hilfe kam zu spät. Der Mann erlitt als Folge des Herzinfarkts irreversible Hirnschäden. Gut zwei Jahre wurde er gepflegt, ehe er verstarb und seine Frau und zwei Kinder hinterliess.

Das Urteil
Nebst dem emotionalen Verlust entstanden für die Hinterbliebenen auch sehr hohe Kosten, für welche die Hinterbliebenen vom KSB Schadenersatz verlangten. Das Bezirksgericht Baden hiess die Klage gut und verurteilte das KSB im Oktober 2019 wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht zur Zahlung von 100'000 Franken. Das Obergericht das Kantons Aargaus bestätigt mit seinem Urteil vom 14. April 2021 diesen Entscheid. Das KSB hat beschlossen, dieses Urteil zu akzeptieren. Den Hinterbliebenen drückt es bei dieser Gelegenheit erneut sein grosses Bedauern über den tragischen Vorfall aus.

Die Massnahmen
Das Bezirksgericht Baden rügte insbesondere die Qualität des Arztberichtes sowie Organisationsfehler. Das KSB räumt ein, dass beim tragischen Vorfall im Februar 2014 nicht alle Handlungen in der Notfallpraxis den im Spital gängigen Standards entsprachen. In den letzten Jahren wurden die Abläufe und Prozesse in der Notfallpraxis jedoch dem KSB-Standard angepasst; mit dem Bau einer neuen Notfallpraxis wurde ab 2016 auch die Infrastruktur optimiert. Generell trifft das KSB im Rahmen seines Qualitätsmanagements laufend Massnahmen, um die Behandlungs- und Betreuungsqualität im ganzen Spital zu optimieren und damit die Patientensicherheit zu erhöhen. Nebst den zahlreichen Zertifizierungen durch Fachgesellschaften zeugen unter anderem auch die Daten der Haftpflichtversicherung davon, dass die medizinische Qualität im KSB höchsten Ansprüchen genügt. So liegt die Schadenlast des KSB 29 Prozent unter dem Branchenschnitt.

Die Perspektiven
Über 60'000 Personen suchen pro Jahr den Notfall des KSB auf. Das KSB betreibt damit eines der grössten Notfallzentren der Schweiz. Entsprechend gross ist auch die Belastung für die Mitarbeitenden, die oft innert Sekunden Entscheide fällen müssen, die weitreichende Konsequenzen haben. Mit viel Engagement und Kompetenz setzen sie sich Tag für Tag rund um die Uhr für das Wohl der Patienten ein. Wo Menschen arbeiten, passieren jedoch auch Fehler, an deren Vermeidung wir fortwährend und unermüdlich arbeiten.

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