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Corona macht bekanntlich alles anders – auch die 27. Auflage des Fricktaler Gemeindeseminars, das am 20. und 21. Januar stattfinden wird. Statt persönlicher Begegnung ist für die Vertreter der 36 Mitgliedsgemeinden des Fricktal Regio Planungsverbandes eine Online-Konferenz angesagt. Die habe zwar auch ihre Vorteile, soll aber eine Ausnahme bleiben, wie Christian Fricker, Präsident des Planungsverbandes verrät.

JÖRN KERCKHOFF

Noch etwas ist anders in diesem Jahr: Die Fricktalkonferenz, die sonst im Anschluss an das Seminar stattfand, wird ab diesem Jahr erst im Frühjahr stattfinden. Das hat aber nichts mit Corona zu tun, wie Christian Fricker verrät. «Bislang hatten wir immer eine Abgeordnetenversammlung pro Jahr, die im Herbst stattfand», so Fricker. Und weiter: «Der Verband muss aber bis spätestens zur Mitte des Jahres seinen Rechnungsabschluss für das Vorjahr vorlegen, weswegen wir nun eine zweite Versammlung abhalten müssen.» Damit diese Versammlung nicht nur aus dem Traktandum Rechnungsabschluss besteht, habe man sich entschlossen, die Fricktalkonferenz – eine Pflichtveranstaltung des Verbandes – auf den Tag dieser Veranstaltung zu legen. In diesem Jahr wird sie am 28. Mai stattfinden.
Beim Gemeindeseminar am 20. und 21. Januar geht es um zwei Themen. Zum einen um «Gemeinden an ihren Leistungsgrenzen – Herausforderungen und Lösungsansätze», zum anderen um die Fragestellung «Lebensqualität 2040 – wie können wir die Attraktivität unseres Kantons als Wohn- und Wirtschaftsstandort langfristig sicherstellen?»

Nach der Ausbildung Wechsel in grössere Gemeinden
Am ersten Tag wird Jonas Willisegger, Leiter des Kompetenzzentrums Public & Nonprofit Management der Hochschule Luzern, der als einer von mehreren Referenten gewonnen werden konnte, ein Inputreferat zu den Herausforderungen, vor denen die Gemeinden stehen, halten. Doch warum stossen Gemeinden überhaupt an ihre Leistungsgrenzen? «Vor allem kleine Gemeinden haben ein akutes Personalproblem», erläutert Christian Fricker. Besonders junge Leute, die dort gut ausgebildet werden, wechselten später oft in grössere Gemeinden, da sie in den kleinen Verwaltungen nicht die Herausforderungen finden, die sie suchen. Auch sei der Arbeitsmarkt leergefegt und die kleinen Gemeinden fänden kaum Leute, um die verschiedenen Posten ihrer Verwaltung zu besetzen. Die Spezialisierung in den einzelnen Bereichen nehme immer mehr zu, viele Fortbildungen seien nötig, um auf dem Laufenden zu bleiben. Dazu komme, dass diese Mitarbeiter im Urlaubs- oder Krankheitsfall kaum adäquat vertreten werden könnten. «Die Arbeit in einer kleinen Gemeinde reicht oft nicht aus, um dafür zwei Experten anzustellen und wenn die Amtsleitung dann im Urlaub ist, kann die Arbeit nicht so einfach von jemand anderem übernommen werden», schildert Fricker das Problem.

Gemeinsam stark durch Zusammenarbeit
Eine Lösung bestehe darin, dass sich Gemeinden in bestimmten Bereichen zusammenschliessen, um etwa Steuerangelegenheiten oder die Abwasserentsorgung zentral bearbeiten zu lassen. Dadurch wachse das Arbeitsaufkommen für die Sachbearbeiter und das mache den Job attraktiver. Ausserdem lohne es sich dann eventuell auch, zwei Experten für ein Amt einzustellen, die sich auch gegenseitig vertreten könnten. Gute Erfahrungen habe der Planungsverband unter anderem bereits beim Steuer- und beim Betreibungsamt gemacht, bei denen sich mehrere Gemeinden zusammengeschlossen hätten. Das regionale Steueramt bestehe inzwischen seit einigen Jahren, die Erfahrungen seien sehr positiv.
Zwar müssten solche Gemeindeverträge vorher in den Gemeindeversammlungen der teilnehmenden Gemeinden abgesegnet werden, was nicht immer ganz leicht sei, in der Praxis zeige sich jedoch, dass solche regionalen Lösungen auch dazu führen, dass Mauern zwischen den Gemeinden abgebaut würden, so Fricker.
Zweites grosses Thema des diesjährigen Gemeindeseminars ist die Lebensqualität in den Gemeinden. «Das Wohlfühlen in einer Gemeinde kann man planen», ist Christian Fricker überzeugt. «Lebensqualität 2040 – wie können wir die Attraktivität unseres Kantons als Wohn- und Wirtschaftsstandort langfristig sicherstellen?» Dies ist der Titel des zweiten Themas, für das unter anderem Regierungsrat Stephan Attiger, Vorsteher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt, gewonnen werden konnte.

Online-Seminar kein Modell für die Zukunft
Die 27. Auflage des Fricktaler Gemeindeseminars findet coronabedingt per Videokonferenz statt – für Christian Fricker eine Lösung, die in diesem Jahr Sinn macht, aber kein Modell für die Zukunft ist. Gerade die Begegnungen der einzelnen Teilnehmer in den Pausen des Seminars hält der Präsident des Fricktaler Planungsverbandes für unersetzlich. «Dabei lernen sich die Teilnehmer kennen, Netzwerke entstehen. Das ist online nicht möglich.» Einer der wenigen Vorteile der Online-Lösung bestehe für ihn darin, dass sich eventuell auch Teilnehmer anmelden, die sonst keine Zeit hätten, zwei Tage an dem Seminar teilzunehmen. In diesem Jahr wird das Seminar auch nicht an zwei ganzen Tagen abgehalten, sondern nur an den beiden Vormittagen. Auch das mache die Teilnahme für den einen oder anderen Interessenten eventuell leichter, lautet die Einschätzung Frickers.
Die Kurse richten sich an Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, Verwaltungsangestellte, Kommissionsmitglieder und weitere Fachstellen und –personen im Fricktal. Ausserdem geht die Einladung an alle Fricktaler Grossratsmitglieder. Die Anmeldung ist noch bis zum 15. Januar über die Homepage des Verbandes www.fricktal.ch/veranstaltungen möglich.

Bild: Christian Fricker wird die Teilnehmer des Fricktaler Gemeindeseminars in diesem Jahr online begrüssen. Foto: Jörn Kerckhoff
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