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Verkehrslawinen, menschliche Tragödien, Durchbohrungen von unten und oben – vieles musste der Bözberg schon über sich ergehen lassen. Und was steht ihm noch bevor? Die Geschichtenwanderungen des bekannten Schauspielers und Autors Kaspar Lüscher aus Gipf-Oberfrick sind legendär. Die zehnte Ausgabe dreht sich nun unter dem Titel «Der verletzte Berg» ganz um den Bözberg. Und die 40 Teilnehmer an der Premiere waren tief bewegt, ob der Erzählkunst Lüschers.

SONJA FASLER HÜBNER

Viele kennen den Bözberg nur von der «Durchreise». Die Jurahochebene hat aber mehr zu bieten, als die Passstrasse. Lüscher führte die Teilnehmerschar ab der Postautostation Vierlinden über einen Teil des weit verzweigten Wegnetzes auf dem Bözberg. An acht Stationen machte er Halt und fesselte seine Zuhörer mit Geschichten, bei denen einem teilweise trotz der Hitze des sonnigen Nachmittags ein kalter Schauer über den Rücken lief.

«Böözbrg» oder «Mons Vocetius»
Man erfuhr vieles über den «Böözbrg», wie er gemeinhin fast etwas verächtlich genannt wird. Dabei zeigt keiner besser, dass alles zwei Seiten hat: auf der einen Seite der Nebel, auf der anderen die Sonne. Früher, zu Zeiten der Römer, trug er einen weitaus wohlklingenderen Namen. Der «Mons Vocetius» diente nämlich schon damals als wichtige Handelsroute, genauso wie später den Alemannen. Dann kam der Bözberg-Eisenbahntunnel, und als die Blechlawine über den Pass zu gross wurde der Autobahntunnel, jetzt ein weiterer Eisenbahntunnel und die Nagrabohrung.

«Er kann sich nicht wehren, muss alles erleiden», so Lüscher. Gegenwart und Zukunft waren in Lüschers Geschichten aber eher am Rande präsent. «Als romantischer Typ gilt mein Interesse mehr der Vergangenheit», verriet er. Bis auf ein Märchen, das gänzlich der Fantasie des Autors entsprungen ist, beruhen all seine Geschichten auf wahren Begebenheiten. So bekamen die Mitwanderer von menschlichen Schicksalen mit unerfüllter Liebe, Sehnsucht, Verzweiflung, Betrug, Gier, ja gar von einem Geist und Mord zu hören. Geschickt verwob Lüscher die jeweiligen Geschichten mit den einzelnen Orten, so dass man sich genau vorstellen konnte, wie sich damals alles zugetragen haben könnte.

Hintergrundinformationen zu seinen Geschichten lieferten Kaspar Lüscher verschiedene Personen, zum Teil langjährige Bewohner des Bözbergs, und das Buch «Leben auf dem Bözberg». «Glücklicherweise konnte ich meine Recherchen kurz vor dem Lockdown abschliessen und mich danach ganz dem Schreiben widmen», so Kaspar Lüscher.

Elisabeth Burgener lud ein
Eingeladen zur Premiere am vergangenen Samstag hatte Elisabeth Burgener. Die SP-Grossrätin aus Gipf-Oberfrick fühlt sich seit langem mit dem Bözberg und all seinen Schönheiten verbunden. Vor zehn Jahren hat sie den Verein «Kein Atommüll im Bözberg» (Kaib) initiiert und ist Vorstandsmitglied. Dies führte dazu, dass sie vor rund anderthalb Jahren Kaspar Lüscher anfragte, ob er seine nächste Geschichtenwanderung dem Bözberg widmen könnte. Und stiess bei ihm damit auf offene Ohren. Zum Glück, wie sich anlässlich der Premiere zeigte. Die Geschichtenwanderung endete übrigens bei der Linner Linde, wo ein Apéro auf die Wanderer wartete.

Zum Jubiläum des Vereins Kaib findet am 11. Oktober eine weitere Geschichtenwanderung mit Kaspar Lüscher statt, die allerdings schon ausgebucht ist. «Mehr als 40 Teilnehmer pro Wanderung wären zu viel», weiss Lüscher aus Erfahrung. Für alle, die sich die Geschichten rund um den Bözberg nicht entgehen lassen wollen, gibt es aber gute Nachrichten: «Es sind weitere Geschichtenwanderungen in Planung.» Auch sonst hat der umtriebige Künstler noch einiges vor. Etwa sein neues Theaterstück «Das Kaninchen jagt oder wenn Dobrovsky kommt», das er im Herbst 2021 erstmals aufführen wird.

Bilder:
Kaspar Lüscher fesselte seine Zuhörer mit schauerlichen Geschichten rund um den Bözberg.
Ein Geschichtenerzähler wie er im Buche steht.
Fotos: Sonja Fasler Hübner

 

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